Kopfläuse

11. Dezember 2018

Dr. Jeannette Schmid & Dr. Achim Timnik

  • jedermann kann Läuse bekommen
  • Läuse lieben frisch gewaschene Haare
  • die Übertragung erfolgt praktisch ausschließlich von Kopf zu Kopf
  • Läuse können nicht springen oder fliegen, sie hangeln sich von Haar zu Haar
  • Läuse benötigen alle 2-4 Stunden eine Blutmahlzeit
  • Außerhalb des Kopfes überleben sie höchstens 55 Stunden
  • Nur adulte Läuse können übertragen werden, Nissen und Larven benötigen zum Überleben die Wärme in der Nähe der Kopfhaut
  • Die theoretisch mögliche Übertragung durch Kopfbedeckungen, Kopfkissen, Plüschtiere, Bürsten usw. ist unwahrscheinlich, auf jegliche Umgebungsreinigung kann somit guten Gewissens verzichtet werden, wenn sonst richtig behandelt wird.
  • Bekämpft werden die Läuse mit einem zugelassenen Läusemittel, das am Tag 1 und unbedingt am 8. Tag nach dem festgestellten Befall angewendet werden muss. Die Gebrauchsanleitung des Mittels muss dabei peinlich genau eingehalten werden. Am Tag 1, 5, 9 und 13 sollten die nassen Haare mit einer Pflegespülung ausgekämmt werden. Darüber hinaus sind täglich Nachkontrollen durchzuführen.
  • Erfolgreich bekämpft sind die Läuse erst dann, wenn der Kopf Läuse- und nissenfrei ist.
  • Ätherische Öle vertreiben keine Läuse!
  • Benachrichtigen Sie Schule, Kindergarten, Krippe, Hort, Freunde, Verwandte, Spielpartner, einfach alle, die engen Kontakt zu Ihrem Kind oder anderen befallenen Personen der Familie haben.
  • Nur durch einen offenen Umgang mit den eigenen Läusen haben Sie die Chance die Ansteckungsquelle Ihres Kindes aufzudecken und somit eine Wiederansteckung zu verhindern.

Information zu Kopfläusen

Dr. Jeannette Schmid

Ein Befall mit Kopfläusen (Pediculus capitis) wird in unserer Gesellschaft nach wie vor gerne tabuisiert. Läuse werden mit schlechten hygienischen Verhältnissen in Verbindung gebracht und treten vermeintlich nur in unteren sozialen Schichten auf. Dies ist falsch. Jeder kann Läuse bekommen. Gerade frisch gewaschenes Haar bietet ein gutes Wärmepolster und somit eine optimale Lebensgrundlage für Läuse.

Lebenszyklus der Kopflaus

Das Lausweibchen legt ihre Eier 2 mm-1 cm von der Kopfhaut entfernt, ab. Die Eier oder Nissen kleben hartnäckig am Haar und lassen sich auch mit Wasser nicht entfernen. Nach 7-10 Tagen schlüpft eine Larve, die sich über zwei weitere Larvenstadien innerhalb weiterer 7-10 Tagen zur erwachsenen Laus entwickelt. Nach weiteren zwei Tagen beginnen die weiblichen Tiere Eier abzulegen. Pro Tag legt ein Weibchen etwa 10 Eier. Im Laufe ihres einmonatigen Lebens 100-300 Eier. Der Zeitraum vom Ei bis zur ersten Eiablage beträgt etwa 16-22 Tage.

Übertragungswege

Kopfläuse springen und fliegen nicht, sie wandern unmittelbar von Kopf zu Kopf. Dabei hangeln sie sich von einem Haar zum anderen. Übertragen werden lediglich erwachsene Läuse und Tiere im letzten Larvenstadium. Eine Übertragung über Kopfbedeckungen, Kopfkissen, Plüschtiere, Bürsten usw. ist unwahrscheinlich. Somit kann auf jegliche Umgebungsreinigung verzichtet werden. Eine Laus braucht zum Überleben alle 2-4 Stunden eine Menschenblut-Mahlzeit. Außerhalb des Kopfes überlebt eine Laus lediglich 2-3 Tage. Eine Übertragung durch Haustiere findet nicht statt.

Krankheitsbild

Bei der Nahrungsaufnahme geben Läuse durch das Speichelrohr ein blutgerinnungshemmendes Sekret ab, das in erster Linie für den Juckreiz verantwortlich ist. Durch den dadurch verursachten ständigen Kratzeffekt können Läusekot, Bakterien oder Pilze in betroffene Hautstellen gelangen und Lokalreaktion und Entzündungen der Haut hervorrufen.

Kopfläuse übertragen keine Krankheiten.

Erkennen des Befalls

Es gibt zwei Möglichkeiten das Kopfhaar auf einen Läusebefall hin zu untersuchen. Bei der trockenen Methode wird das Haar Strähne für Strähne abgeteilt und auf das Vorhandensein von Nissen oder lebendigen Läusen optisch untersucht.

Bei der nassen Methode wird das nasse Haar mit Pflegespülung ausgekämmt. Diese Methode ist effektiver als die trockene. Auf das nasse Haar wird dick eine herkömmliche Pflegespülung aufgetragen. Anschließend wird das Haar mit einem Läusekamm Strähnchen für Strähnchen durchgekämmt und der Kamm jeweils auf weißem Küchenpapier ausgestrichen. Die gesammelten Läuse und Nissen sind auf der weißen Unterlage gut zu erkennen. Anschließend wird die übrige Pflegespülung ausgewaschen.

Nissen sind länglich oval, meist leicht gelblich gefärbt und 0,3 auf 0,8 mm groß. Entwicklungsfähige Nissen sitzen nicht weiter als 1 cm von der Kopfhaut entfernt. Weißlich schimmernde Nissen sind meist leer und kleben weiter als 1 cm von der Kopfhaut am Haar. Nissen lassen sich im Gegensatz zu Schuppen nur schwer mit den Fingern vom Haar abziehen. Sie sind häufig hinter dem Ohr, im Schläfen- und Nackenbereich zu finden.

Läuse sind 2-4 mm groß, transparent oder leicht bräunlich gefärbt. Sie bewegen sich sehr schnell im Haar vorwärts und meiden das Licht. Beim Scheiteln des Haares sieht man deshalb meist nur kurz die vor dem Licht flüchtende Laus.

Therapie

Bekämpft werden die Läuse mit einem zugelassenen Läusemittel, das am Tag 1 und unbedingt am Tag 8 nach dem festgestellten Befall angewendet werden muss. Die Gebrauchsanleitung des Mittels muss dabei peinlich genau eingehalten werden. Zusätzlich sollten am Tag 1, 5, 9 und 13 die nassen Haare mit einer Pflegespülung ausgekämmt werden. Darüber hinaus sind täglich Nachkontrollen durchzuführen, vor allem um Nissen abzusammeln. Erfolgreich bekämpft sind die Läuse erst dann, wenn der Kopf läuse- und nissenfrei ist (dies betrifft lediglich Nissen im Abstand von 1 cm von der Kopfhaut).

Schutz vor Ansteckung

Ansteckungen werden vermieden indem Kopf-Kopf-Kontakte unterbunden werden. Das Zusammenbinden von langen Haaren erschwert die Übertragung und Ansteckung. Es gibt keinen Nachweis, dass ätherische Öle, Shampoos oder andere Duftstoffe eine Ansteckung mit Läusen verhindern könnten.

Um eine Wiederansteckung nach einem Befall zu vermeiden, ist es wichtig Schule, Kindergarten, Hort, Freunde, Verwandte, einfach alle, die engen Kontakt zu dem Kind oder anderen befallenen Personen der Familie haben, über den Läusebefall zu informieren.

Offizielle Empfehlungen und Vorschriften

Das Gesundheitsamt Augsburg empfiehlt beim Auftreten eines Kopflausbefalles in einer Klasse eine umgehende Information aller Eltern der Klasse über den Befall. Dies sollte verbunden sein mit einer Aufforderung an die Eltern ihre Kinder zu Hause auf Läuse zu untersuchen und dies der Schule zu bestätigen. Die Schule sollte hierüber eine Liste führen. Erhält die Schule innerhalb dreier Tage keine Rückmeldung, darf das Kind durch sachkundiges Personal kontrolliert werden. Hierzu braucht das Einverständnis der Eltern nicht eingeholt zu werden, da es sich um eine Maßnahme im Rahmen der infektionshygienischen Überwachung handelt.

Befallene Kinder können unmittelbar nach der ersten Behandlung die Schule wieder besuchen. Eine Bestätigung der Eltern, dass sie eine Behandlung mit einem zugelassenen Mittel durchgeführt haben, ist ausreichend. Ein ärztliches Attest ist erst dann notwendig, wenn innerhalb von vier Wochen ein wiederholter Kopflausbefall festgestellt wird.

Eltern sind lauf §34 des Infektionsschutzgesetztes verpflichtet, den Kopflausbefall sofort der Schule oder anderern Gemeinschaftseinrichtungen zu melden. Die Gemeinschaftseinrichtung ihrerseits hat laut §34 eine Meldepflicht des Befalls gegenüber dem zuständigen Gesundheitsamt.

Informationsquellen

www.pediculosis-gesellschaft.de

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