Zum Thema Noroviren… und anderer Durchfallerkrankungen

6. Mai 2019

Infektiöse Darmerkrankungen (oft „Darmgrippe“ genannt) können durch eine Vielzahl von Viren, sowie durch Bakterien verursacht werden.

In der Regel kommt es zu Fieber, Gliederschmerzen, Durchfall und Erbrechen in unterschiedlichem Ausmaß und von unterschiedlicher Dauer (je nach Gefährlichkeit und aufgenommener Menge des Erregers).

Unter den bakteriellen Darmerkrankungen ist die bekannteste die durch Salmonellen ausgelöste „Darmgrippe“. Sie kommt meist im Sommer vor. Die Übertragung erfolgt in der Regel durch das Essen von mit Salmonellen angereicherten Speisen. Gefährlich in diesem Zusammenhang können Eier, Majonaise und alle rohen, schlecht gekühlten Nahrungsmittel im Sommer sein.

Auch Typhus (in tropischen und subtropischen Ländern vorkommend) wird durch eine spezielle Salmonellenart hervorgerufen. Hier besteht im Gegensatz zu unseren heimischen Salmonellen für Menschen Seuchen- und Lebensgefahr, da die Krankheit erheblich stärker als bei unseren Salmonellen verläuft und da für die Ansteckung ein paar Bakterien ausreichen, so dass die Erkrankung über Spuren verunreinigter Flüssigkeiten erfolgen kann: also- im Gegensatz zu unseren Salmonellen- auch auf Toiletten, Türklinken etc. Vor Reisen in Gebiete mit Typhus sollte man sich gegen Typhus impfen lassen. Gegen „unsere“ Salmonellen gibt es keine Impfung.

Auch bestimmte Colibakterien (EHEC, EPEC u.a.), sowie Campylobakter Spezies können Durchfälle verursachen. Manche sind richtig lästig, ähnlich wie unsere heimischen Salmonellen (nicht Typhus) und ganz selten sogar gefährlich für Kleinkinder, nämlich dann, wenn solche Colibakterien bestimmte Gifte absondern (sehr sehr selten, nur der Vollständigkeit halber hier erwähnt), die zu einem Nierenversagen führen können.

Unter den viralen „Darmgrippen“ gibt es eine Vielzahl von Erregern. Alle möglichen Erkältungsviren und Schnupfenerreger können auch Durchfall und etwas Erbrechen auslösen. Gefährliche virale „Darmgrippen“ werden durch Rotaviren und Noroviren ausgelöst. Beide kommen gehäuft in den Wintermonaten vor. Gefährlich sind sie deshalb, weil die Erkrankung jeweils mehrere Tage andauern kann (bei Rota u.U. eine Woche) und es zu massivem Flüssigkeitsverlust kommen kann mit lebensbedrohlicher Austrocknung.

Die Übertragung erfolgt durch die Aufnahme nur weniger Erreger über den Mund oder die Nase nach einem kontaminierten Händedruck oder auch von kontaminierten Körperflüssigkeiten anderer Erkrankter. Bei Noroviren reichen ganz wenige Erreger und kann es auch zur Tröpfcheninfektion wie bei Windpocken kommen, daher sind diese noch ansteckender!!!

Die Behandlung sämtlicher in Deutschland vorkommender „Magen-Darmgrippen“ mit Durchfall und Erbrechen richtet sich nach den Symptomen:

1. Möglichst viel kleiner Portionen Flüssigkeit sind zu geben, am besten mit Traubenzucker angereichert (auch Cola möglich, jedoch nicht empfohlen): also: löffelweise Trinklösung, den ganzen Tag. Dafür gibt es auch Trinklösungen aus der Apotheke. Irgendwie heißt es ganz lapidar: Kleine Portionen trinken, bei Erbrechen Mund abwischen, weiter machen. Die Kinder brauchen Flüssigkeit, Flüssigkeit, Flüssigkeit, Salz, und Traubenzucker. Falls es den Kindern schlecht geht (Allgemeinzustand reduziert, Übelkeit) ruhig auch mal ein Paracetamol oder Ibuprofen geben (insbesondere bei Gliederschmerzen oder erhöhter Temperatur), damit sie sich besser fühlen. Dann behalten sie auch die Flüssigkeit besser (meist).

2. keine Milch oder andere Eiweißträger, wenn es irgendwie geht.

3. Medikamente gegen das Erbrechen sind (bis auf wenige Ausnahmefälle) out! Denn: diese Medikamente machen sehr müde. Also wird die Gabe von Flüssigkeit u.U. noch schwieriger. Andere Medikamente haben sich bei akuter Durchfallerkrankung als nicht wirksam erwiesen.

4. bei mangelndem Erfolg, zu starker Austrocknung oder zu kleinen Kindern (unter 6 Monaten) sind wir allerdings oft gezwungen die Kinder einzuweisen, damit sie an den Tropf kommen. Bei größeren Kindern machen wir das auch in der Praxis.

Was gibt es außerdem zu beachten:

Wurden im Rahmen einer Durchfallerkrankung bei einem KiTa-Kind Rota-, Noroviren oder auch bestimmte Colibakterien nachgewiesen, so kann es ein, dass es die Gemeinschaftseinrichtungen nicht besuchen darf, bis der Stuhl wieder frei von diesen Erregern ist. Im Einzelnen regeln wir das in Absprache mit dem Gesundheitsamt.

Ansonsten, auch für Salmonellen, gelten die aktuellen Richtlinien (aus dem Bundesgesundheitsblatt 5/97) nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts:

„Die wichtigsten Maßnahmen zur Vermeidung der Übertragung von Salmonellen ist nach wie vor das Waschen der Hände nach jedem Toilettenbesuch, sowie nach Kontakt mit kontaminierten Gegenständen (z.B. Windeln).

Für größere Kinder gilt: auf das Vorhandensein von Toilettenpapier ist zu achten. Eine Desinfektion nach Benutzung der Toilette ist nicht nötig, das tägliche Reinigen mit Toilettenreiniger ist ausreichend.

Die Zulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen ist möglich, sobald der Stuhlgang wieder geformt ist, auch wenn noch Erreger nachgewiesen werden.“ Sobald wieder Durchfall auftritt, muß das Kind natürlich wieder zu Hause bleiben.

Atteste über die Wiederzulassung (falls gefordert) bekommen sie bei uns.

Impfungen gibt es gegen Typhus und Cholera (Reiseimpfungen; Erstattung abhängig von der Krankenkasse). Die Impfung gegen Rotaviren gehört zu den empfohlenen Standardimpfungen und wird von allen Kassen bezahlt.

Drs. Reiter/Timnik